Interview mit Matthias Langwasser – Inspiration für Andersdenkende

Anders leben, Zweifel überwinden

Wie ist es eigentlich, wenn man wie wir anders lebt als die meisten anderen Menschen? Wir meinen damit nicht nur unsere Ernährung, die fast ausschließlich aus Rohkost besteht. Wir meinen damit, einen anderen Weg auf allen Ebenen einzuschlagen. Zum Beispiel in der Erziehung unserer Kinder. Unsere Tochter ist zwei Jahre alt und besitzt kein Kinderzimmer. Der wenige Wochen alte Arvid wird im Gegensatz zu den meisten seiner Artgenossen nicht im Kinderwagen durch die Gegend gefahren, sondern im Tragetuch getragen. Unsere Kinder bekommen als erste Kost keinen gekochten Möhrenbrei, sondern Banane und Mango. Wir leben in einem großen alten Haus, haben keine Einbauküche und auch sonst haben wir uns bisher noch kein Möbelstück neu gekauft. Unser Garten ist wild und wir bauen Gemüse an.

Irgendwie ist das alles so normal und trotzdem kennen wir kaum jemanden, der es ähnlich tut. Und deswegen gibt es hin und wieder Momente der Unsicherheit. Ist das, was ALLE tun, wirklich so falsch und unser Weg der Richtige? Sind wir zu idealistisch, träumerisch? Macht es Sinn, an eine bessere Welt zu glauben und diesem Glauben auch im Handeln zu folgen?

In solchen Momenten ist es schön, wenn man in Kontakt mit Menschen tritt, die ähnliche Überzeugungen haben. Die aber bereits einen großen Teil des Weges gegangen sind und viele Erfahrungen gesammelt haben. Solche Menschen motivieren, inspirieren, geben Kraft und im Nu ist der Moment des Zweifels verschwunden! Wir wissen wieder, mit unseren Ideen sind wir nicht alleine und es lohnt sich, diesen Weg weiter zu gehen.

So ging es uns, nachdem wir ein Interview mit Matthias vom Regenbogenkreis geführt hatten. Schon die Webseite des Regenbogenkreises hat uns sehr inspiriert. Noch mehr aber Matthias als Person, der in beeindruckender Weise einen Weg geht, den man als ganzheitlich anders bezeichnen könnte und der uns motiviert, weiter an unsere Ideale zu glauben und uns durchzusetzen mit unseren Ideen und Überzeugungen!

Wir möchten euch diese Inspirationsquelle nicht vorenthalten und wünschen euch viel Spaß beim Lesen des Interviews mit Matthias! Mehr erfahrt ihr außerdem auf der Webseite des Regenbogenkreises.

Interview mit Matthias Langwasser

Lieber Matthias,
wir von Nordisch Roh haben vor einiger Zeit den Regenbogenkreis entdeckt und wir müssen sagen, er entspricht sehr unserem „Spirit“. Die Authenzität dahinter mit dir als Begründer und die Ganzheitlichkeit begeistern uns! Wir möchten dich gerne auf unserem Blog vorstellen, damit noch mehr Menschen von dir und deinen Ideen profitieren. Wir könnten dir tausend Fragen stellen!! Wir haben uns hier auf einige wenige beschränkt, aber vielleicht bekommen wir ja mal die Gelegenheit, dich persönlich kennenzulernen!
Hallo ihr Lieben, vielen Dank für Eure Email! Ich würde mich auch sehr freuen, Euch einmal persönlich kennen zu lernen. Ihr habt mir ja wirklich einige intensive Fragen gestellt. Ich versuche, diese so knackig und präzise wie möglich zu beantworten.
Liebe Grüße an Euch!
Matthias
Erzähle uns doch kurz, wer du bist und was du machst!
Seit meiner Jugend beschäftige ich mich intensiv mit alternativen Lebensweisen. So habe ich 10 Jahre in einer Lebensgemeinschaft gelebt, dort Selbstversorgung und Permakultur betrieben und mich aus der Natur ernährt. Ich lebe seit fast 30 Jahren vegetarisch bzw. vegan und habe als veganer Seminarkoch, Kochbuchautor, Lebensberater und Seminarleiter gearbeitet. Zur Zeit bin ich dabei, das Regenbogenkreis Projekt mit aktuell fast 30 Mitarbeitern weiter aufzubauen. Wir vertreiben vegane Rohkostprodukte, Regenwaldkräuter und Bücher, DVDs sowie Energieprodukte. Unsere Schwerpunkte sind der Schutz der Regenwälder (aktuell konnten wir durch den Verkauf unserer Produkte schon fast 400.000 Quadratmeter Regenwald in Guatemala dauerhaft schützen), die Verbreitung von veganer Ernährung und die Förderung eines neuen Bewusstseins der Liebe zu unserer Erde.
Zwei Jahre lang hast du in der Wildnis gelebt und dich aus der Natur ernährt.Wie kamst du auf die Idee?
Die Idee kam von innen, ich wusste einfach, dass ich das machen muss.
Wo und wie hast du in der Zeit gelebt?
Ich bin durch Südfrankreich und Spanien gewandert, hatte nur eine Isomatte und einen Schlafsack dabei und habe mich von dem ernährt, was ich in der Natur gefunden habe. Geschlafen habe ich unter freiem Himmel.
Was hast du in dieser Zeit gegessen?
Feigen, Mandeln, Weintrauben, Aprikosen, Maulbeeren, Avocados, Cherimoya, Walnüsse, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Orangen, Mispeln, Wildkräuter.
Was waren deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Zeit?
Dass es möglich ist, direkt aus der Natur zu leben. Dass die Erde uns eine unglaubliche Fülle an kostbaren Früchten schenkt. Ich habe eine tiefe Einheit mit der Natur erfahren und mich in ihr geborgen gefühlt. Und ich habe meinen Seelenweg gefunden.
7 Jahre hast du als Selbstversorger gelebt. Für uns ist das ein Traum und wir versuchen, von Jahr zu Jahr mehr aus unserem eigenen Garten zu ernten.Was sind deine Tipps für Menschen, die sich gerne selbstversorgen möchten, zumindest zu einem großen Teil?
Selbstversorgung ist viel einfacher,als man denkt. Zuerst ist es wichtig, dass man sich sortenreines Saatgut (keine Hybride) besorgt, z.B. von Dreschflegel oder von Bingenheimer Saatgut, und dann kann man einfach loslegen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch das Sammeln von Wildkräutern, Nüssen, Beeren, Früchten aus der Natur oder von aufgegeben Obstwiesen ist eine sehr einfache Art, sich selbst zu versorgen. Wir haben einen ganz anderen Bezug zu dem Essen, welches wir selbst angebaut oder gesammelt haben.
Ist Selbstversorgung überhaupt möglich heute?
Natürlich ist Selbstversorgung möglich, wir brauchen nur etwas Land oder einen Balkon, um anzufangen. Da die Qualität der Lebensmittel im Supermarkt immer schlechter wird, und es leider selbst im Biohandel immer mehr Hybridsorten gibt, wird Selbstversorgung ein immer wichtigerer Bestandteil einer gesunden Ernährung sein.
Wir lieben die vegane Rohkost und essen fast ausschließlich roh und vegan. Unsere Kinder (2 Jahre und 6 Wochen alt) bekommen aber auch nicht Veganes & Gekochtes. Du hast auch zwei Söhne und lebst vegan. Was denkst du, ist vegan „natürlich“? Können Kinder vegan groß werden?
Mein vierjähriger Sohn, der bei uns lebt, lebt von Geburt an vegan. Er ist größer und kräftiger als die meisten Kinder in seinem Alter und erfreut sich wie wir bester Gesundheit. Wir haben auf unserer Facebook Seite vor einiger Zeit von einem jungen Mann berichtet, dessen Baby in dritter Generation vegan und gesund aufwächst. Ich sehe die vegane Ernährung als die natürlichste an und sie ist für mich die Ernährungsform der Zukunft. Nicht nur aus ökologischer, sondern vor allem auch aus ethischer Sicht. In einer geistig hoch entwickelten Gesellschaft wird es das Töten von Tieren für einen kurzen Gaumenkitzel mit ungesunden Folgen nicht mehr geben.
Wie ernähren sich deine Kinder?
Mein Kleiner vegan-biologisch-vollwertig, mein Großer leider eher normal, da ich darauf keinen Einfluss habe (er lebt in Schweden bei seiner Mutter).
Erzähle uns von deinen Projekten? Was ist dein aktuelles Projekt?
Wir arbeiten gerade an der Umsetzung einer neuen Regenbogenkreis Webseite, in der die alte Regenbogenkreis Infoseite, unser Shop und unser neuer Blog zusammen geführt werden. Außerdem suchen wir nach einem Standort, um ein Ökodorf aufzubauen.
Wofür brennst du, was sind deine Ziele?
Ich brenne dafür, eine spirituelle Gemeinschaft in der Natur mit Permakultur, Selbstversorgung, Strohballenhäusern, freiem Lernen, natürlichen Heilmethoden und allen anderen wichtigen Aspekten für eine neue, gesunde Gesellschaft aufzubauen. Meine Vision ist, dass wir in Südamerika riesige Flächen Regenwald schützen und verschiedene Projekte mit großen Landflächen umsetzen, die der Natur zurück gegeben werden.
Du bist vielseitig gebildet und erfahren und ein Berater für alle Lebenslagen. Was denkst du, woran hapert es in unserer heutigen Gesellschaft und wie kann ein jeder im Kleinen die Welt ein bisschen besser machen?
In unserer heutigen Gesellschaft hakt es in allen Lebensbereichen. Wir haben es geschafft, uns maximal von dem, was natürlich und gesund ist, zu entfernen. Die Menschen müssen wieder lernen, ihrer inneren Stimme zu folgen und die natürlichen Gesetze zu verstehen. Unsere Gesellschaft ist einer unglaublichen Manipulation unterworfen, indem uns systematisch von Kindheit an unwahre Dinge vermittelt werden. Das beginnt zum Beispiel schon damit, dass die Eltern massiv gedrängt werden, ihre Babys mit hochgiftigen Stoffen impfen zu lassen.
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, unsere Welt positiv zu verändern. Wir können nur noch Produkte kaufen, die im Einklang mit der Erde erzeugt wurden, wie vegane, biologische Lebensmittel. Wir können eine Tätigkeit ausüben, die wir lieben und die Menschen und Erde hilft. Wir können Ökostrom beziehen, Fahrrad fahren, ganzheitliche Projekte unterstützen, uns für Frieden und Umweltschutz engagieren und unsere Mitmenschen über Themen wie Impfen, Gentechnik, alternative Therapien, Regenwaldschutz und unabhängige Medien informieren.
Vor allem sollten wir uns trauen, unsere Überzeugungen öffentlich zu vertreten und dazu zu stehen. Angesichts der Zustände auf unserer Erde können wir es uns einfach nicht mehr leisten, zu schweigen und zuzuschauen.

author-photo Allerliebste Grüße von
Ute & Achim mit Karla und Arvid

5 responses

  1. Hallo Nordischroh,
    spannend fand ich das er den Mut hatte aus der sicheren Gesellschaft auszubrechen, um im Einklang mit der Natur zu leben und sich aus ihr zur ernähren. Als (Jäger) und Sammler kann man also in der industriellen Welt noch überleben 😉
    Zum Thema Landwirtschaft und Permakultur gibt es zwei interessante Videos bei youtube.


    Bestimmt kennt ihr schon Sepp Holzer und wenn nicht, dann jetzt.

    Beste Grüße,
    Siegmar

  2. Mir begegnen seit einiger Zeit auf meiner Reise durchs Leben immer mehr Menschen, die zu den Ursprüngen zurück kehren.
    Vor rd. 20 Jahren wurde ich erstmals mit dem Thema vegetarische Ernährung konfrontiert, als zwei meiner Söhne von einem Tag zum anderen und bis heute Fleisch aus ihrem Nahrungsprogramm geworfen haben. Heute lebe ich vegetarisch und das nur deshalb, weil Menschen wie ihr nie müde werden eine gesündere Lebensart zu publizieren.
    Ob ich je auch andere Lebensbereiche so verändere wie ihr es tut, wird sich zeigen
    Danke für eure Aktivitäten in der Öffentlichkeit
    LG Elke

    • Hallo Elke, vielen Dank für das tolle Kommentar!
      Wie groß die Veränderungen sind, hängt ja immer vom Ausgangspunkt ab. Und so können “Kleinigkeiten” viel größer sein als bei anderen so manche scheinbare große Veränderung! Und es ist doch toll, da einen ganz eigenen weg zu finden! ♥

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