Vorweihnachtliche Begegnung

Es ereignete sich am letzten Samstag mitten in der Vorweihnachtszeit. Ich war in der Stadt, um ein paar weihnachtliche Kleinigkeiten zu besorgen stand gerade vor dem Regal mit dem Geschenkpapier. Ich überlegte, ob ich das goldene oder das silberne Geschenkband kaufen sollte. Ich fragte mich, welches wohl besser zu dem Geschenkpapier passen würde, welches ich schon zu Hause liegen hatte. Ich war völlig in Gedanken versunken. Gerade fragte ich mich, ob 10 Meter Geschenkband denn nun viel oder wenig seien, als plötzlich eine Frau neben mir stand.”Kann ich Sie etwas fragen?”, fragte sie und sah mich mit einem aufgeschlossenen, aber dennoch etwas unsicheren Blick an. Ich war etwas verwirrt und schaute mich um. Sie meinte wirklich mich. “Ja…” stammelte ich, immer noch ein wenig irritiert, war ich doch  gerade noch in der Welt der Geschenkbänder gewesen.

“Wenn Sie Kekse verschenken wollen würden und sie keine normale Keksdose hätten, würden Sie dann diese hier nehmen? ” fragte sie, fast schon etwas scheu, “Oder ist die zu kitschig?” In der Hand hielt sie eine Blechdose in Tannenform, die sie offensichtlich in dem Laden gefunden hatte. Ich sah die Frau an. Sie war deutlich kleiner als ich, vielleicht 1,60 Meter groß und ein unscheinbarer Typ. Ich schätzte sie auf Mitte/Ende Vierzig. Sie hatte kurzes, schütteres Haar, ein rundes Gesicht und eine stämmige Figur. Sie wirkte mit ihrer blau-grünen Windjacke, einer weiten Jeans und dunklen Turnschuhen etwas burschikos. Dann sah ich die Blechdose an, die sie in meine Richtung hielt. In diesem Moment konnte ich gar nicht sagen, ob die Dose nun schön, häßlich oder kitschig war. Ich wusste nur eines: Über dieses Geschenk würde ich mich freuen. “Die Dose ist genau richtig.”. sagte ich, “Sie ist nicht zu kitschig. Ich würde mich über das Geschenk freuen!” Die Frau fing zu lächeln an, bedankte sich sichtlich erleichtert und lief schnurstracks Richtung Kasse.

Ihr denkt jetzt sicherlich: An dieser Geschichte ist ja gar nichts Besonderes! Das stimmt gewissermaßen auch. Trotzdem hat mich diese Begegnung sehr gerührt und ich versuche euch zu erzählen, warum dies so war. Das Schenken ist in der heutigen Zeit ja etwas in Verruf geraten. Man hält es entweder für überflüssig und verweigert sich dem Schenken aus Gründen der Kosumkritik. Oder man hält es aus anderen Gründen für überflüssig. Diese kritische Haltung ist sicher nicht unbegründet. Denn auf der anderen Seite werden wir überschwemmt von Produkten und Werbung, die das Schenken zu einem reinen Konsumakt verkommen lassen. Aber übersehen wir dabei nicht etwas?

Ich sah diese Frau, die sich so viele Gedanken über ihr Geschenk machte, dass sie sogar mich, eine Fremde, um Rat fragte. Das Geschenk dieser Frau war so voller Zuneigung, auch wenn es doch nur um so eine “Kleinigkeit” handelte. Um Kekse in einer Dose.  Ich musste noch lange an die Frau und ihr Geschenk denken. Diese Begenung hat mir gezeigt, wie schön Schenken und Beschenktwerden sind. Umso mehr Menschen wie diese Frau schenken, nämlich von Herzen, um so schöner macht das unsere Welt. Zwischen Verweigerung und Kosumterror gibt also eine kleine Nische, die wir nicht übersehen sollten. Ganz egal, was verschenkt wird, viel wichiger ist doch, wie es getan wird!

Und ich sag euch was: Ich hätte mich über diese Kekse gefreut, vegane Rohkost hin oder her, von mir aus auch mit 3  Zentimeter Zuckerguss obendrauf!

2 responses

  1. Deshalb verschenke ich dieses Jahr fast nur selbstgemachtes 🙂 weil es einfach noch mehr von Herzen kommt als wenn man sich den Kopf zerbricht und dann doch nichts findet, dass einem 100%ig gefällt.
    Viele Grüße,
    Zombie

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