Runners High am Surferstrand

Während unseres Urlaubes in Ostfriesland machten wir mit Freunden und Familie einen kurzen Abstecher auf die zweitgrößte ostfriesische Insel Norderney – das Sylt von Ostfriesland, Profi-Windsurf-Paradies und mondäner Kurort mit Tradition. Und weil der größte Teil der Insel Naturschutzgebiet ist, ist Norderney einfach wunderschön. Während unseres Aufenhalts zeigte sich die Insel von ihrer besten Seite. Es waren zwei herrlich heiße Sommertage, die wir dort verbrachten – Sonnenschein, frische Meeresluft und immer ein salziger Wind um die Nase.

Am zweiten Abend fand ein großer Volkslauf statt, der sich seit 25 Jahren großer Beliebtheit erfreut. Da ich diesen Wettbewerb nicht mitmachen konnte (ich erwähnte unsere nachtaktive Tochter an anderer Stelle), beschloss ich am Morgen darauf in meine Laufschuhe zu hüpfen und den nordisch diesigen, aber milden Tag mit einem Lauf am Strand zu beginnen. Auf dem Gelände des Hochseilgartens, wo wir unsere etwas ungewöhnliche Unterkunft hatten, war noch alles ruhig und auch in den Zelten unserer Freunde regte sich nichts. Leise schlich ich also vom Gelände. Der Strand lag nur wenige Meter entfernt und so konnte mein Strandlauf gleich beginnen. Vom Weststrand aus wollte ich zum Nordstrand laufen, wo die Wellen am größten sind und der Strand eine fast unendliche Weite annimmt.

Ich hatte Gegenwind, trabte langsam los und genoss die Ruhe. Die Touristen lagen wahrscheinlich noch in ihren Betten und draußen bereiteten schon die Strandkorbvermieter ihr Geschäft vor. Die Möwen warteten ebenfalls auf den Sturm der Touristen, um ihnen ihre belegten Brötchen und Pommes abzuluchsen. Noch saßen die Meeresvögel mit aufgeplustertem Gefieder am Wegesrand und schauten dem Treiben der Gewerbeleute anteilnahmslos zu. Außer mir verirrten sich auch andere Jogger in diesen frühen Morgenstunden an den Strand, die beim Kreuzen des Weges freundlich grüßten. Über dem Meer lag ein dichter Seenebel, der die Sicht auf das weite Meer verhinderte. Ich fühlte mich gut, frei und leicht.

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Rückenwind auf Norderney

Am Nordstrand angekommen wechselte ich von der Promenade auf den Strand, um ein wenig Abwechslung in das Training zu bekommen. Wegen des tiefen Sandes kam ich jetzt langsamer voran, fühlte mich aber trotz der erhöhten Anstrengung gut. Ich traf auf einige Surfer, die sich aufwärmten und dehnten, um trotz des Nebels mit ihren Brettern in die Wellen zu stürzen. Nun hatte ich eine halbe Stunde Lauf hinter mir und beschloss, den Heimweg anzutreten. Also umgedreht und in die andere Richtung wieder zurück Richtung Quartier. Jetzt hatte ich Rückenwind, der mich dazu anstachelte, mein Tempo zu erhöhen. Die Kraft in mir sprudelte.

Während ich in Gedanken die Effekte der Rohkost bejubelte und schon fast beschloss, nie wieder zur normalen Kost zurückzukehren, sah ich im Augenwinkel neben mir am Strand eine Gruppe von vier Männern joggen, die offensichtlich auf Überholkurs waren. Damit war das Tagträumen beendet. „Ihr kriegt mich nicht!“ war nun das Motto des Laufes. Mit Leichtigkeit erhöhte ich das Tempo, die Gruppe blieb mir dennoch auf den Versen, überholte mich aber nicht. Ich fühlte mich großartig und hatte große Lust auf eine Herausforderung. Also winkte ich zu der Gruppe rüber „Hey! Könnt ihr nicht schneller?“ „Waaaas?!“ „Ob ihr nicht schneller könnt! Ich dachte, wir machen eine Challenge!“. Einer der Läufer kam zu mir rübergelaufen und war – wie es sich für einen Läufer gehört- um eine Ausrede nicht verlegen. „Wir haben gestern den Wettkampf mitgemacht und können heute nicht so schnell.“ Na klar!

Wir plauschten noch ein Weilchen bis ich beschloss, die Gruppe hinter mir zu lassen. Also verabschiedete ich mich: „Ich muss dann mal weiter. Viel Spaß noch“. Ich erhöhte mein Tempo und ließ die Gruppe hinter mir, die zwangsläufig zusehen musste wie ich davonjagte. Mein Körper fühlte sich leicht an und ich hatte das Gefühl über den Strand zu fliegen. In der Fachsprache heißt dieser rauschähnliche Zustand Runners High! Und das unter 100%iger Rohkost! Meinen ultimativ guten Lauf beendete ich mit dem Song “Rückenwind” von Thomas D.  in meinem Kopf.

” […] Ich sag es euch auf diese Weise, alle die am Suchen sind
sind mit mir auf der Reise, haben Rückenwind.
Wir betreten neue Wege, die wir noch nicht hatten,
ich nehm’ euch mit, ‘n Stück in meinem Windschatten..”

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