Erfolglose Beerenjagd und ein Weinfest ohne Weintrauben – Nordisch Roh in Ostfriesland

Nordisch Roh in Ostfriesland:

Unendliche Weiten. Salzige Meeresluft und grüne satte Wiesen. Der perfekte Ort für einen Urlaub. Und das Beste an der Sache: Ostfrieslands Wälder sind voll mit Blaubeeren. Unser Urlaubsdomizil liegt ca. 100m von einem großen Wald entfernt und wir hatten uns in den Kopf gesetzt, rohköstliche Blaubeermuffins zu „backen“. Bei unserem ersten Lauf durch den Wald waren die Büsche leider kahl, wahrscheinlich war jemand vor uns schneller. Deswegen dachten wir: „Okay, nicht ganz so rohköstlich elegant, aber wir schauen mal auf dem Markt oder in einem Supermarkt“. Allerdings: In der ganzen Stadt gibt es keine Blaubeeren zu kaufen! Wie kann denn das sein? Blaubeeren sind heimische Früchte, die hier oben im Norden in den Wäldern wachsen und quasi verzehrfertig an den Büschen hängen. Und jetzt im Juli ist Beerenzeit. Deswegen stehen bei uns zu Hause die Blaubeeren zurzeit in jedem Supermarkt. Aber hier? Nichts.

So gibt es hier nur einen, zwar total netten, aber dennoch sehr kleinen Bio-Supermarkt mit einem entsprechend abgespeckten Angebot. Die Obst- und Gemüseabteilungen sind weniger üppig. Gestern gab es im Supermarkt noch nicht einmal Haselnüsse zu kaufen. Na gut, wir haben es nicht in den umliegenden Gewerbegebieten mit den gigantischen „Einmal-hin-alles-drin“-Supermärkten versucht. Trotzdem ist es erstaunlich, wie wenig frisch das Angebot der innerstädtischen Supermärkte ist. Und auch der Wochenmarkt unterscheidet sich hier deutlich von denen in Hamburg und Elmshorn: Viel Fleisch & Fisch (die Touristen wollen Fischbrötchen!), weniger Obst und Gemüse, welches dafür teurer ist. Und nur ein einziger Biostand. Dass wir hier nirgends Kokoswasser kaufen können, wussten wir glücklicherweise schon vorher und haben uns einen Vorrat mitgebracht.

Deutlich merkt man also die Randlage Ostfrieslands am Angebot, welches weitaus karger ist als das in der Großstadt oder auch bei uns im großstädtischen Speckgürtel. Da fragt man sich doch: „Woran liegt’s?“ Mangelt es an der Nachfrage? Wenn man sich das ostfriesische Volk so anschaut, liegt die Vermutung nahe, dass Abweichungen von konventionellen Konsumgewohnheiten die Ausnahme sind. Jetzt im Sommer kommen die Touristen und tun ihr Übriges. Fischbuden haben Hochsaison, während die rote Beete langsam im Regal verschrumpelt. Ein schönes Erlebnis war das Auricher Weinfest, das wir am Nachmittag besuchten. Vorher diskutierten wir die Frage, inwiefern man als Rohköstler an solchen Festen überhaupt teilnehmen könnte und kamen auf den naheliegenden Schluss, dass Wein ja aus Weintrauben hergestellt wird, die ein tolles Nahrungsmittel sind. Süß, saftig und nahrhaft! Auf dem Weinfest angekommen kam uns als erstes der Geruch von gegrilltem Fleisch in die Nase. Und damit dann kurze Zeit später auch die Ernüchterung: Keine einzige frische Weintraube auf dem ganzen Fest, noch nicht einmal zur Dekoration. Uns blieb also nur noch der Rückzug in das nächstliegende Café. Dass wir dort auf der Getränkekarte vergeblich nach Tee ohne künstliche Aromen suchten, soll hier die letzte Anmerkung sein.

Unser erstes Fazit: Als Rohköstler in Ostfriesland hat man es deutlich schwerer als bei uns in Großstadtnähe. Zum Glück haben wir hier einen großen Gemüsegarten vor der Haustür und drumrum so viel Natur, die uns reichlich mit ihrem vielen frischen Grün beschenkt. Also wandern nature girl und wildlife boy jetzt durch die ostfriesische Provinz auf der Suche nach Nahrung. Wünscht uns Glück! Wir melden uns, sollten wir es überleben.

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